Man muss keinen Taucheranzug anziehen, und auch keine Maske aufsetzen. Wir benötigen keine Erlaubnis zum Tauchen und schon gar kein Zertifikat einer Tauchschule. Um sich auf die Reise in die Tiefen der Ostsee zu machen, braucht man nur nach Zinnowitz kommen und in die außergewöhnliche Tauchgondel an der Spitze der Seebrücke einsteigen. Dann dauert es nur noch wenige Minuten, bis die 50 Tonnen schwere Konstruktion mit uns unter die Wasseroberfläche abtaucht …
Karl-Heinz Habeck, ein Mitglied der Besatzung dieses wohl eher untypischen Unterseebootes, wird fast jeden Tag von den Touristen gefragt, was denn da unter dem Wasser eigentlich zu sehen ist.
„Es gibt manchmal Gäste, die glauben, dass man ein Korallenriff aus der Nähe sehen könnte“, erklärt Karl-Heinz Habeck.
Das Ökosystem der Ostsee bietet den „Gondeltauchern“ im Januar und Februar zwar keine so spektakulären Erlebnisse. Aber wenn in dieser Jahreszeit das Plankton abstirbt und das Wasser so durchsichtig wird wie eine frisch geputzte Fensterscheibe, dann können wir dafür aus der Tauchgondel kleine Seetiere beobachten, vor allem Flundern und Quallen.
Aufregend ist das Eintauchen selbst: wir hören das Klatschen der Wellen an der Gondel, wir fühlen die Rollbewegung des Bootes und wir sehen, wie sich der Wasserspiegel hinter den Fenstern Meter für Meter erhöht. Langsam verlieren wir dann den Strand, die großen Hotels an der Zinnowitzer Promenade und schließlich den Himmel aus den Augen.
Bald kommt der hunderttausendste Besucher
Die Gondel kann maximal 25 Personen gleichzeitig an Bord nehmen. Im Sommer kommt es manchmal vor, dass man wegen des großen Andrangs 2 Stunden auf die Unterseereise warten muss. Im März sind die Reisen mit der Gondel an den Wochenenden jedoch auch stark gefragt.
„Wir gehen 3,5 Meter unter Wasser“, sagt Karl-Heinz Habeck. Das Boot befindet sich dann rund einen Meter über dem Meeresboden. Nur wenn heftige Stürme angekündigt werden, und bei einer Windstärke von 5 Grad auf der Beaufort-Skala bleiben wir an der Meeresoberfläche.
Jährlich kommen 40 Tausend Menschen hierher. Es kommt zuweilen vor, dass an einem Tag bis zu 250 Besucher in die Gondel einsteigen. Nach ersten Berechnungen soll noch in diesem Jahr, etwa Anfang April, der hunderttausendste mit ihr in die Ostsee abtauchen. Vielleicht sollte man die Gelegenheit nutzen, denn für diesen Anlass haben die Betreiber schon Geschenke vorbereitet.
Schlangen, Seeskorpione und Fischchen Nemo
Ein Tauchgang dauert etwa 45 Minuten. Während dieser Zeit schauen sich die Besucher die Ostseeküste an und hören dabei der Besatzung der türkisfarbenen Gondel zu, die in humorvoller Weise Geschichten über das Meer erzählt. Zunächst aber sieht man sich faszinierende 3-D-Filme an. Ein Film wurde extra für die „Unterwasser-Touristen“ gedreht, die die Gondel nutzen. Dieser Film handelt von der gediegenen Flora und Fauna der Ostsee. Der zweite berühmte Film, „Blue Magic“, zeigt die Schönheit der südlichen Meere.
„Am besten war der Seeskorpion, der als Teufel bezeichnet wurde. Toll war auch der Kampf um die Nahrung zwischen zwei Krabben“, erzählt Tadeusz, der mit seinem Sohn und seiner Tochter nach Zinnowitz gekommen ist.
„Wir haben sie dreidimensional gesehen“, fügt sein 14-jähriger Sohn hinzu. „Als die Robben erschienen, sah das aus, als ob sie aus dem Bildschirm herauskämen und sich uns mit ihren lustigen Mäulern annäherten.“
Seiner Schwester Dorota gefielen am besten die Fischchen, die genau so aussahen, wie der Fischsuperstar Nemo aus dem Disney-Trickfilm.
„Und furchtbar schrecklich waren die Seeschlangen, deren Gift gleich alle tötet“, sagt sie begeistert.
Wurde zum Unternehmer des Jahres
Die Tauchgondel hat Andreas Wulff aus Zinnowitz entworfen. Die Konstruktion ist durch Patent geschĂĽtzt. Sie wurde 2006 gebaut. Am Bau dieser touristischen Attraktion haben Menschen gearbeitet, die in dieser Region wohnen.
„Es wurden lokale Firmen beschäftigt: Eine kam aus Polen, die uns spezielle 6 cm dicke Glasscheiben beschafft hat“, erzählen die Mitarbeiter.
Die ganze Konstruktion wiegt 50 Tonnen! Sie hat einen Durchmesser von 7 Metern. Eine zweite solche Gondel befindet sich an der Selliner Seebrücke auf Rügen. Die nächste soll noch in diesem Jahr in Schleswig-Holstein entstehen.
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Foto mb
Die Öffnungszeiten und Eintrittpreise sind in der multimedialen Präsentation zu finden.
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Die Zeitung fördert die Region Insel Usedom /Insel Wollin. Sie ist zweisprachig geschrieben, in Polnisch und Deutsch. Jede Ausgabe hat eine Auflagenhöhe von 25.000 Exemplaren, die auf beiden Seiten der Grenze verteilt werden. Natürlich kostenlos. Es ist eine touristisch geprägte Zeitung, die unsere Leser in diesen Tagen zum ersten Mal in der neuen Saison in die Hände bekommen. |
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